07. Oktober 2009
Scholz Edelstahl: Zukunft für Poldi-Hütte
Die Scholz Edelstahl GmbH, ein Unternehmen der Essinger Scholz AG, setzte mitten in der Wirtschaftskrise ein dickes Ausrufezeichen der Zuversicht und des Vertrauens in die Zukunft: In Kladno bei Prag/Tschechien wurde in der traditionsreichen Poldi-Hütte im Beisein von 500 Kunden und Lieferanten aus der ganzen Welt eine neue Produktionshalle mit einem gigantischen Schmiedekomplex und einem Wärmebehandlungszentrum eingeweiht. Das Investitionsvolumen: 30 Millionen Euro.
Kladno.
Die Eisenhütte in Kladno wurde 1889 von Karl Wittgenstein (1847 bis 1913), einem der erfolgreichsten Unternehmer der späten Donaumonarchie und Vertreter der „Gründerzeitgeneration“, gegründet.
Zu Ehren seiner Gattin Leopoldine erhielt sie den Namen Poldi-Hütte.
Das Kopfprofil von Leopoldine schmückte das Logo der Hütte und wurde zum weltweiten Symbol für hochwertige Stahlprodukte.
Diese Tradition setzt nun die Scholz Edelstahl GmbH (SES), die seit 1999 an der Hütte beteiligt ist und inzwischen 100 Prozent der Anteile an der Poldi-Hütte s.r.o. hält, konsequent fort.
Die Stärke der tschechischen Hütte war es schon immer, den gesamten Produktionszyklus, vom Stahlwerk über Schmiedemaschinen und Wärmebehandlung bis zur Endfertigung auf Bearbeitungsmaschinen, abzudecken.
Bereits vor vier Jahren investierte SES in einen Pfannenofen und in die Modernisierung der Schmiedepresse, nun wurde eine neue Produktionshalle gebaut mit folgenden Anlagen:
- ein Schmiedekomplex mit einer 4000-Tonnenpresse (STG 4000) mit zwei Manipulatoren (Tragkraft 25 und 60 to) und modernsten Aufheizöfen. Damit können Stähle mit einem Durchmesser bis zu 1000 mm geschmiedet werden.
- ein Wärmebehandlungszentrum mit innovativen Haubenöfen zum Glühen und Härten und ein Abschreckbecken, in dem bis zu 12 m lange Stäbe vergütet werden können.
- ein Endbearbeitungszentrum mit Doppelsäge (Durchmesser 1200 mm), Drehbänken und Adjustage.
„Mit der neuen Halle und den Anlagen konnten wir die Arbeitsprozesse optimal gestalten und die Produktivität deutlich erhöhen“, stellte SES-Geschäftsführer Franz Fuchs heraus und Geschäftsführer Peter Stützel erklärte:
„Poldi hatte mit den alten Anlagen einen schweren Stand im Wettbewerb mit Produkten bis 350 mm Durchmesser, die auch im gewalzten Zustand hergestellt werden konnten.
Jetzt hat sich unsere Wettbewerbsposition wesentlich verbessert“.
Zum Investitionspaket gehörte auch die Gewichtserweiterung der sogenannten Ingots (gegossene Blöcke) im bestehenden Stahlwerk von 13 auf jetzt 55 Tonnen.
Peter Stützel: „Damit können wir statt bisher 2000 nun 4000 Tonnen fertig geschmiedetes Material und Schmiedestücke pro Monat herstellen. Damit ist die Zukunft der Poldi-Hütte gesichert.“
Der Schrott für das Stahlwerk kommt von tschechischen Beteiligungsfirmen der Scholz AG bzw. aus der Schmiede.
„Ein geschlossener, optimaler Kreislauf, von dem die ganze Gruppe profitiert“, sagte Scholz AGVorstandsvorsitzender Berndt-Ulrich Scholz.
Die Poldi-Hütte stellt hochwertigste Stahlprodukte her, die z. B. im Werkzeugbau, Schiffsbau, in Windkraftanlagen oder auch in Atomkraftwerken zum Einsatz kommen.
Geliefert wird an Kunden in der ganzen Welt, sowohl an den Großhandel wie auch an den Endverbraucher; darunter sind u.a. auch die Aalener Firmen Alfing und GSA sowie die Voith Gruppe.
In einer beeindruckenden Performance präsentierte Poldi-Geschäftsführer Vladimir Zivicnjak den Gästen die Anlagen in der neuen Halle, die in der Rekordzeit von nur 22 Monaten ab Vertragsunterzeichnung fertiggestellt wurde.
„Wir feiern heute die neue Zukunft der Poldi-Hütte“, rief Zivicnjak stolz den Gästen zu.
Der Geschäftsführer schrieb an der Hochschule Aalen seine Diplomarbeit über „Optimierung der Prozessabläufe“ beim Ostalb-Wärmebehandlungszentrum Aalen – und machte bei SES schnell einen Karrieresprung.
Zivicnjak dankte den Investoren für die „weitsichtige und mutige Entscheidung“, seinen 280 engagierten Mitarbeitern, den über 100 Beschäftigten der am Bau beteiligten tschechischen Firmen, die „den engen Zeitrahmen professionell eingehalten haben“ und besonders Projektleiter Dipl.-Ing. Werner Klemp sowie dem Technischen Direktor Dr. Jens Kluge.
Berndt-Ulrich und Oliver Scholz, Franz Fuchs und Peter Stützel hoffen, dass sich der Jahresumsatz der Poldi-Hütte von 60 Millionen Euro künftig „deutlich und ergebniswirksam“ erhöht, um einen Teil der durch die Krise bedingten Erlösrückgänge der Scholz Gruppe von rund 25 Prozent zu kompensieren.
Erste vielversprechende Kontaktgespräche gab es bereits beim Galaabend in der „Villa Richter“ auf der Prager Burg.